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Er kam nicht nur in Ausgehuniform,
er demonstrierte auch das, was man in der Bundeswehr unter dem Begriff
„Maskenball“ kennt: Schnelles Umziehen in kürzester Zeit.
Oberst
Ralf Kneflowski also auch im Kampfdress mit Kopftuch und verhülltem
Gesicht, und danach im grün-blauen Umhang aus Afghanistan. Afghanistan
– das war das Thema des ranghohen Offiziers im Gasthaus Schumacher.
Terminprobleme wegen war der Vortrag vom 19. auf den 25. März verschoben
worden, was dem Abend überhaupt keinen Abbruch tat: Das Interesse
an dem geradezu hautnah vorgetragenen Bericht aus Zentralasien war
sehr groß.
Kneflowski, Kommandeur des Landeskommandos Nordrhein-Westfalen,
hat aus seiner Dienstzeit als Kommandeur am Hindukusch Sandproben
mitgebracht, ein Zertifikat, das ausgebildeten afghanischen Polizisten
verliehen wird, Visitenkarten, eine militärische Landkarte, und
vor allem viele und sehr ausdrucksstarke Fotos. Ländliche Idylle
und Kampfhubschrauber. Traumhafte Landschaften und verstümmelte
Kriegsopfer. Heftige Gegensätze also, die der in Bockelskamp lebende
Offizier mit vielen Hintergrundinformationen näher erläuterte.
An
dem internationalen Einsatz – an dem weit mehr Länder beteiligt
seien, als die Tagesschau melde – hat Kneflowski keinen Zweifel.
Wohl aber in den ersten sechs Jahren, in denen sehr viel versäumt
und vor allem allerlei falsch gemacht worden sei. Nun setzt die
internationale Gemeinschaft mehr auf Partnerschaft. Kneflowski hält
es z. B. für fatal, dass die Mullahs lange nicht eingebunden wurden,
die geistliche wie geistige Elite des Landes – vergleichbar mit
dem Klerus des europäischen Mittelalters. „Den Afghanen“ gebe es
im übrigen nicht, sondern diverse Völker und ethnische Probleme.
Es gebe eigentlich auch keinen Zentralstaat, sondern unterschiedliche
Stämme und vor allem die Familie. Für sie macht der Afghane alles,
für ihn geht er sogar von der Fahne! Deshalb gilt es bisher nicht
als Fahnenflucht, wenn ein Soldat bis zu sechs Wochen einfach weg
bleibt, weil er in seinem Dorf etwa zur Ernte aushelfen muss. Eine
Zeitspanne, die man aber gern auf zwei Wochen reduzieren würde.
Blutrache, Unterdrückung der Frauen, geringe Lebenserwartung, doppelte
Sexualmoral, Kneflowski hatte zu diversen Themen vieles mitzuteilen.
Es gebe noch viel zu tun, meint der Bockelskämper, der auf den einen
oder anderen Politiker nicht sonderlich gut zu sprechen ist, weil
die sich – trotz werbewirksamer TV-Auftritte in Afghanistan – nicht
an den echten Brennpunkten sehen ließen. Und weil die Abzugsfrage
nicht richtig beschrieben werde: Die Kampftruppen würden demnächst
zwar reduziert, bestimmte Kommandostellen („Aufbaukräfte“) blieben
aber noch länger. Ein sofortiger Abzug aus Afghanistan würde ethnische
Säuberungen bedeuten, Bürgerkrieg und Terror durch die Taliban.
Der Abend endete mit einer längeren Diskussion.
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